
Rheinpfalz Artikel Neues Wohnquatier am Betzenberg, Werkschau Sommersemester 2022
28/12/2022
Artikel aus der Rheinpfalz von Claudia Schneider "Ideen für den Betzenberg" von Montag, 28. November 2022
"Rund ums Fritz-Walter-Stadion soll ein neues Wohngebiet kommen. Erste Pläne gibt es, die Politik hat beschlossen, dass ein Bebauungsplan aufgestellt wird. Jetzt gibt es dazu Entwürfe von Studierenden der Hochschule Kaiserslautern. Bis zu 3000 Wohnungen könnten entstehen.
Angestoßen haben den Denkprozess der freie Kaiserslauterer Architekt Michael Burghaus und sein Kollege Stefan Staehle, Dozent an der Hochschule Kaiserslautern. Im Rahmen einer Vertretungsprofessur für Städtebau und Freiraumplanung an der Hochschule stellten sie die städtebauliche Entwicklung auf dem Betzenberg in den Fokus. „Das ist keine einfache Aufgabe, weil man eine Lösung finden muss, womit sich der 14-tägige Spielbetrieb und Arbeiten und Wohnen miteinander vertragen. Aber wir wollten etwas Herausforderndes angehen, kein Projekt auf der grünen Wiese verwirklichen“, so Staehle. Und so viel vorweg: Einfamilienhäuser sind in dem neuen Quartier rund ums Fritz-Walter-Stadion nach ihren Vorstellungen nicht vorgesehen. Burghaus: „Zumindest innerstädtisch sind Einfamilienhäuser auf großen Grundstücken heute keine Option mehr. So baut man nicht mehr, weil der Flächenverbrauch viel zu hoch wäre.“
Herausgekommen sind viele Ideen, auch Modelle haben die Studierenden gebaut. Sie werden in einer Schau im Rathaus-Foyer zu sehen sein. Stets wurde das neue Quartier in das bestehende Wohngebiet aus den 1970er Jahren integriert und angebunden. Mehr oder weniger dicht bebaut, immer mit viel Grün und Freiflächen, um die Attraktivität des Viertels für die künftigen Bewohner zu steigern, wie Burghaus ausführt. Nachverdichtung sei auf dem 14 Hektar großen Areal der Schlüssel. „Wir wollen heute keine weitere Zersiedlung, deshalb ist es sinnvoll, dort zu bauen, wo Infrastruktur wie Straßen, Schulen, Wasser, Strom und ein Kanal beispielsweise vor- handen sind.“ Das sei auf dem Bet- zenberg der Fall. Außerdem sei die Lage, 300 Meter vom Hauptbahnhof entfernt, geradezu ideal, betont Burghaus. Im Zuge der Neubebauung, das haben auch die Studierenden vorgeschlagen, müsse beispielsweise eine ganz neue Wegeachse in den Wildpark mit einem zentralen Eingang, den es heute nicht gibt, geschaffen werden.
Wenn der Betzenberg mehr Bewohner hat, sind das auch neue Chancen für eine Gastronomie und Nahversorgung vor Ort in dem neuen Quartier. Mehr statt weniger Bäume auf der zu bebauenden Fläche müssten das Ziel sein, ist aus den Entwürfen abzulesen. Geplant haben die Architekten von morgen vor allem zwei- bis achtgeschossige Gebäude, stets mit unterschiedlichen Wohnungsgrößen. „Ein Mix ist immer gefordert, um Ghettoisierung entgegenzuwirken“, erklärt Burghaus. Deshalb wäre es aus seiner Sicht ein großer Fehler, das Gebiet einem Investor oder Projektentwickler zu überlassen. „Man sollte stattdessen Schritt für Schritt bauen, in Abschnitten, die Parzellen nicht zu groß machen, damit sich junge Familien zusammenschließen und etwa Bauherrenmodelle realisieren können.“ Mehrgenerationenwohnen müsse an der Stelle selbstverständlich sein, so Staehle. Insgesamt wird in dem neuen Stadtteil Potenzial als Lebens- und Arbeitsort für bis zu 10.000 Bewohner als möglich erachtet.
„Das Quartier ist eine Riesenchance, weil es direkt am Stadion eine Visitenkarte für die Stadt ist“, glaubt Staehle. 800 bis 3000 Wohnungen könnten entstehen. Mit den Studie- rendenarbeiten wollten sie auch eine Diskussion anstoßen. „Wenn so ein großes Gebiet entwickelt wird, dann gehört dazu eine gesellschaftliche Debatte, um herauszufinden, was die Bevölkerung sich wünscht“, so Burghaus. Eine Idee von Studierenden ist beispielsweise, mit Ge- werbebauten direkt am Stadion sozusagen eine Trennlinie zum Wohnen zu schaffen. Direkt ans Stadion angedockt wurde beispielsweise ein Hotel mit großem Freisitz und freiem Blick auf die Stadt. Ein anderer Ansatz war der Anbau einer großen Sport- und Eventhalle, die die gemeinsame Nutzung von sanitären Anlagen und Stadiongastronomie anstrebt. Zur Inspiration hatten die Studierenden eine Exkursion nach Basel unternommen und sich das Stadion St.-Jakob-Park in Basel angeschaut, das nicht nur Spielstätte ist, sondern im Umfeld ein Shopping-Center, Restaurants und Dienstleistungsbetriebe beherbergt. „Wir haben den Studierenden gesagt, schaut über den Tellerrand“, so Burghaus.
Die Grünen-Fraktion im Stadtrat hatte vor über einem Jahr den Anstoß gegeben, einen neuen Bebauungsplan für die Flächen rund ums Stadion aufzustellen, was mittlerweile so beschlossen wurde."